Globalisierung ante portas
Gier und Dummheit zerfrisst die Welt
Unglücke, wie in Japan, zeigen immer wieder schmerzhaft, dass wir nicht in einer statischen Welt leben, die keine Qualen kennt, ewig wächst, steigenden Wohlstand hervorbringt und stets für satte Mägen sorgt, wenn die Regeln der Natur missachtet werden. Schneller, höher, weiter kann nicht das Credo sein, auf dem wir unsere Zukunft aufbauen dürfen, da Wachstumsgrenzen erreicht sind, deren Nichtbeachtung bereits zu einem Rückgang von Wohlstand geführt hat. Darüber hinaus werden durch das unvernünftige menschliche Handeln die Umwelt und der Frieden weltweit massiv bedroht. Wer einen Zustand herbeiführen möchte, der Wohlstand für alle verspricht, muss sich an der Natur orientieren, die kein exponentiell endloses Wachstum kennt und Verstöße gegen ihre Regeln gnadenlos bestraft.
Die Party ist vorbei
Nachdem sich der Pulverdampf verzogen hat, wird die Misere der Globalisierung deutlich sichtbar.
Allerorten wird gerade bewusst, wie sehr unsere Wirtschaft vom reibungslosen Funktionieren aller Märkte abhängig ist. Computerhersteller wie Apple befürchten, die Produktion ihres gefragten iPods drosseln oder gar einstellen zu müssen, da wichtige Teile aus Japan fehlen. Autofahrer japanischer Marken werden demnächst zwangsweise auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, sollten betriebswichtige Ersatzteile für ihr Fahrzeug nicht mehr auf Lager sein. Da kann man nur hoffen, dass wenigstens deren Ersatzteile aus europäischer Produktion kommen. Noch vor wenigen Wochen war euphorisch davon die Rede, dass die Krise nun endlich vorbei sei und der Aufschwung bei den Menschen ankäme.
Nur leider haben unsere „Visionäre“ vergessen, dass durch das unverantwortliche Handeln in Sachen Produktverbilligung um jeden Preis, die Strafzahlung umso üppiger ausfällt, wenn unvorhersehbare Ereignisse jede noch so schöne Planung über den Haufen werfen. Jede vernünftige Unternehmens- und Staatspolitik wurde auf dem Altar der Globalisierung geopfert. Mahnende Stimmen vor dem Irrsinn wurden in den Wind geblasen. Umso größer nun das Erstaunen, dass Murphys Gesetz öfters greift, als mit dem Supercomputer berechnet.
Was wurden in den letzten Jahren nicht alles für politische Fehlentscheidungen getroffen. Angefangen bei der Veräußerung wichtiger Versorgungsunternehmen an private „Investoren“ über die Ausweitung der unsäglichen Leiharbeit, um hiesige Unternehmen „wettbewerbsfähig“ gegen Billiglohnländer zumachen, bis zur Verlagerung wichtiger Produktionsstätten aus „Wettbewerbsgründen“. Stets war eine unverantwortlich handelnde Kaste am Werk, die sich um das Wohl ihrer Arbeitnehmer und ihrer Heimat sowie deren Bürger herzlich wenig scherte. Wie sich nun herausstellt, ist die viel gepriesene Globalisierung nun selbst für Unternehmen, die diese mit angeschoben haben, zu einem existenzbedrohenden Problem geworden, nachdem wichtige Teile aus japanischer Produktion nicht mehr lieferbar sind.
Krisengewinner versus Umwelt- und Sozialschäden
Natürlich wird dieses Problem nicht von Dauer sein, da andere Produzenten in die Bresche springen werden und auch Japan wohl nicht komplett aus der Lieferkette herausfallen wird. Es wird sogar Gewinner geben, die aus dem Schaden japanischer Unternehmen Profit ziehen können. Jedoch sind das nur marginal positive Entwicklungen, die keinesfalls in der Lage sein werden, die immensen Umweltschäden und sozialen Verwerfungen des japanischen Megadesasters auszugleichen.
Vor dem Eindruck der japanischen Tragödie wurden nun aus dem Handgelenk heraus gleich sieben deutsche Atomkraftwerke älterer Bauart kurzfristig abgeschaltet. Wie zu beobachten ist, war dies möglich, ohne dass in Deutschland die Lichter ausgingen. Nicht einmal temporäre Stromausfälle sind beobachtbar. Auch in Sachen Energieversorgung kann schön beobachtet werden, wie die Öffentlichkeit über Jahre belogen wurde. In Sachen Leiharbeit hieß und heißt es, dass diese Arbeitsplätze für die Industrie lebenswichtig sind, um Auftragsspitzen ebenso wie Auftragsflauten abzufedern. Dies ist selbstverständlich nachvollziehbar und vernünftig. Die in dieser Branche arbeitenden Personen sind also hoch qualifizierte Spezialisten, die ohne lange Einarbeitungszeit in der Lage sind, an wechselnden, teils hochwertigen Arbeitsplätzen, etwa als Ingenieur oder Facharbeiter, kurzfristig den Unternehmensumsatz zu steigern.
Da seit Jahren die Leiharbeitsbranche wächst, kann beobachtet werden, dass diese Dienstleistung vermehrt nachgefragt wird. Da ein nachgefragtes und daher knappes Gut teurer wird, müssten die Löhne der dort arbeitenden Personen eigentlich über den Tariflöhnen liegen, da durch diese Dienstleistung ein Unternehmen wirtschaftlich „atmen“ kann. Aber da Luft bei uns (noch) nichts kostet, wird die hochwertige Arbeitsleistung dieser Menschen wohl ebenso gesehen. Dieser Zynismus ist nur möglich, da wesentliche Marktsteuerungsmechanismen mit Duldung der Bundesregierung außer Kraft gesetzt sind.
Dazu gehört beispielsweise das „Aufstocken“ der geringen Löhne, wenn diese nicht zum Leben reichen. Angenehmer Nebeneffekt: Die Arbeitslosenzahlen sinken und die Regierung kann sich als wirtschaftspolitisch „kompetent“ verkaufen. Diese Politik wird ohne Zweifel jedoch dazu führen, dass kommende Rentnergenerationen von ihrer Rente nicht mehr leben können. Klare Worte für diesen Wahnsinn findet der Chef der Deutschen Rentenversicherung Herbert Rische: "Wenn der Niedriglohnsektor weiter so wächst, können Sie jedes lohnbezogene Sozialsystem in die Tonne treten."
Eine derartige kurzsichtige Politik ist an Menschenverachtung nicht mehr zu überbieten. Das Mindeste kann nur sein, diesen Beschäftigten den gleichen Lohn zu zahlen, den auch fest angestellte Kollegen erhalten. Geschäftsmodelle, die sich auf Lohn- und Sozialdumping begründen, haben nicht nur in Europa keine Daseinsberechtigung und sind als verwerflich abzulehnen.
Lügenbarone unter sich
Dass vor dem Eindruck des AKW-Desasters in Japan nun plötzlich ohne Probleme sieben Atomkraftwerke abgeschaltet werden können, da eine Überkapazität von 15 Gigawatt im Markt vorhanden sei, zeigt, dass die Einführung des Stromhandels an der Leipziger Energiebörse von der Bundesregierung und den Energieunternehmen reine Augenwischerei war. Fakt ist, dass wir steigende Strompreise haben, was den Marktgesetzen bei einem Überangebot, das nun ganz offiziell zugegeben wurde, widerspricht.
Ein weiterer Hinweis darauf, dass wir von Konzernen regiert werden, deren Marionetten in Berlin tanzen. Daher ist es überfällig, endlich ein Gesetz zu schaffen, welches verbietet, dass Politiker in irgendwelchen Aufsichtsräten sitzen dürfen, da hier durch Interessenkonflikte und Abhängigkeiten eine wesentliche Ursache für die Fehlentwicklung unseres Landes liegt.
Zusätzlich muss der elektronische Personalausweis genutzt werden, um Wahlen und Volksbefragungen ohne große Kosten und Vorbereitungszeit abhalten zu können, denn eine Demokratie kann heutzutage nicht mehr wie im alten Griechenland funktionieren. Unsere Parteien, egal wie diese heißen, handeln längst an den demokratischen Verfassungsorganen vorbei, wie sich jüngst in der Sache zur Bankenrettung und im Abschaltungsbefehl für alte Atommeiler zeigt. Nicht nur Bundestagspräsident Norbert Lammert stoßen die Alleingänge von Bundeskanzlerin Angela Merkel sauer auf.
Darüber hinaus würde es nicht schaden, wenn gesetzlich geregelt ist, dass ausnahmslos alle Kandidaten, die gerne für ein Landtag- oder Bundestagmandat kandidieren möchten, in eine unbegrenzt lange Liste aufgenommen werden müssen. Eine Begrenzung etwa auf 80 Kandidaten muss künftig ausgeschlossen werden, damit auch Leute mit eigener Meinung die Chance erhalten, gewählt zu werden, obwohl sie beim Parteivorstand womöglich nicht gut gelitten sind. Das Festlegen, wer auf welchen Listenplätzen stehen darf, muss per Gesetz verboten werden, denn selbst in kleinen Parteien wird dies ausgeklüngelt und nicht selten noch mit einem Geldbetrag geregelt- je weiter oben, desto teurer der Listenplatz.
Erst bei einem unabhängigen Notar sollte unter dessen Aufsicht die endgültige Parteiliste mit den Bewerbern erstellt werden. Die Platzierung der Kandidaten auf der Liste erfolgt per Losverfahren, um unsere Parlamente, besser als jetzt, mit unverbrauchten Kräften zu füllen, die noch nicht von irgendeinem Unternehmen abhängig sind und sich ihre eigene politische Meinung bewahrt haben.
Neues Demokratiemodell nötig
Ein neues Denken in Sachen Wahl ist unbedingt nötig, um künftig zu verhindern, dass wenige Personen ganze Länder an die Wand fahren. Die viel gelobte „Globalisierung“, die gegen den Willen der Bürger von einigen Wenigen durchgeführt wurde, ist so ein Beispiel. Dazu haben Vertreter vieler Parteien fleißig mitgeholfen und so erst die Möglichkeit geschaffen, dass Unglücke, wie der AKW-Unfall in Japan, größere Krisen in der Welt auslösen.
Normales Denken, das dem eigenen Unternehmen nützt und in der auch die Allgemeinheit nicht außen vor bleibt, ist zur Mangelware geworden. Negative Beispiele finden sich zuhauf. Selbst in vermeintlich soliden Unternehmen greift die Gier um sich, wenn Kontrollen versagen und mafiöse Strukturen Blendwerke installieren. Ein schönes Beispiel ist die AWD, deren früherer Chef Carsten Maschmeyer sich auf diese Weise, ähnlich wie der Betrüger Bernard Madoff, auf Kosten seiner Kunden bereichern konnte.
Auffällig ist, dass derartige Unternehmen an den wichtigen Schaltstellen zum Kunden Leute beschäftigen, die das Geschäftsmodell nicht hinterfragen, oft selbst nicht verstehen und angespornt von Prämien mit allem Elan und großer Überzeugungskraft anrüchige und schädliche „Produkte“ dem unbedarften und gutgläubigen Kunden andrehen.
Auch „Just in Time“ ist so ein Blendwerk, das Gewinn für alle verspricht. Dieses System führte dazu, dass das Teilelager der Unternehmen auf die Straße verlagert wurde, wo LKWs die selbigen verstopfen und die Luft verpesten. Fällt ein Zulieferer aus, geht auch dem Abnehmer schnell die Luft aus, was zu Zwangsstilllegungen der Produktionsbänder führt. Von kaufmännischer Seite gesehen hat man alles richtig gemacht, von der Umweltseite und der Produktionssicherheitsseite aus gesehen wohl nicht.
Auch die versuchte Übernahme von VW durch Porsche ist ein Fall von Blendern in Nadelstreifen, die sich nicht scheuen, mit manipulierten Zahlen zu spielen, um ihre Ziele zu erreichen. Doch gibt es nicht nur negative Beispiele aufzuzählen. Positive Beispiele, die zeigen, dass Unternehmer mit Weitblick und Vaterlandsliebe durchaus keine Seltenheit sind, lassen sich ebenso seitenweise aufschreiben. Herausgehoben seien etwa der Maschinenbauer Hermle, der Spannmittelhersteller Diebold oder das Nahrungsmittelunternehmen Köllnflockenwerke.
Vorzeigeunternehmen mit Weitblick
Alle diese Unternehmen haben die Wirtschaftskrise, ausgelöst von zockenden Banken, trotz Umsatzrückgängen von teils über 55 Prozent glänzend überstanden, haben hervorragende Produkte und betrachten ihre Mitarbeiter als einen Schatz, den es zu hüten gilt. Dietmar Hermle betont immer wieder, dass zu seinem Familienbetrieb eine Politik des Heuern und Feuerns nicht passt. Hermann Diebold hat die Idee eingebracht, Fachleute, die krisenbedingt nicht weiterbeschäftigt werden können, in einen Fachkräfte-Pool einzubringen, um Entlassungen zu vermeiden und zum Aufschwung eigene Leute zu haben, die die Zeit zur Weiterbildung nutzen konnten und sofort an ihrem alten Arbeitsplatz ohne lange Einarbeitungszeit produktiv tätig sind.
Das Denken dieser Geschäftsführer sollte Vorbild für andere sein, um auch ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen, ohne Mitarbeiter oder Umwelt zu vergewaltigen. Der Köllnflockenwerk-Geschäftsführer Hans Heinrich Driftmann, der gleichzeitig Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages ist, hat kürzlich erst vor dem E10-Sprit gewarnt, da dieser die Lebensmittelpreise steigen lässt und sein Unternehmen in Deutschland so gut wie keinen Hafer mehr bekommt, da die Anbauflächen für E10-Pflanzen verwendet werden.
Es muss daher endlich Schluss sein mit einer Politik, die nur einigen wenigen nutzt. Den „Nutzen“ haben mafiöse japanische Atomkraftwerkbetreiber bereits für sich maximiert, nachdem sie laut Aussagen eines ehemaligen Konstrukteurs einfach 1:1 einen für Arizona entworfenen Atomreaktor in mehrfacher Ausfertigung und eng nebeneinander nach Fukushima pflanzten. Die Walfangnation würde wohl nie auf die Idee kommen, auf einen für den Bodensee geplanten Ausflugsdampfer eine Walfangharpune zu pflanzen, um mit diesem Gefährt im rauen Pazifik die größten Säugetiere der Welt zu jagen.
Alleine die Tatsache, dass mehrere Atommeiler in geringem Abstand voneinander gebaut wurden, ist ein unglaubliches Versagen der zuständigen Zulassungsbehörden. Natürlich wurde gesagt, dass diese Atomreaktoren erdbebensicher seien. Leider allerdings nur bis Stärke 7 und nicht bis Stärke 9, wie es in Japan jüngst der Fall war. Auch eine ausfallsichere, tsunamifeste Kühlung für die Brennelemente wurde leider „vergessen“. Niemand dieser dafür Verantwortlichen ist heute in der Nähe der Atommeiler zu finden, um den Schaden für sein Land zu begrenzen. Stattdessen werden, wie in solchen Fällen üblich, "Bauernopfer" gebracht. Es steht sogar der Verdacht im Raum, dass Obdachlose und Jugendliche zur Schadensbeseitigung am AKW verpflichtet wurden.
Nicht einmal das Szenario einer Kühlung des Reaktors nach einer „unwahrscheinlichen“ Wasserstoffexplosion wurde von den Verantwortlichen der Hightech-Nation durchgespielt. Stattdessen werden per Hubschrauber Wasserbehälter über dem Atomkraftwerk geleert, als gelte es, einen Waldbrand zu löschen. Völlig unverantwortlich ist das Abpumpen großer Mengen radioaktiven Wassers in das Meer, schließlich gehört Japan nicht alleine der Pazifik, der nun wohl für lange Zeit zum Sondermüllgewässer verkommt.
Zu diesem kopflosen Aktionismus passt auch der Vorschlag, Planen über den Atommeiler zu legen und die Umgebung mit klebriger Sprühlösung zu bedecken, damit strahlende Partikel nicht vom Wind verweht werden. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man in bester Faschingslaune schon die Frage stellen, warum dieser epochale Rettungsschirm nicht schon längst in die Atomkraftwerke eingebaut wurde, um im Falle des Unfalles per Roboterarm das Leichentuch über den Unglücksort zu ziehen. Solange noch Strom vorhanden ist, könnte der Roboter dann zudem mit einem geeigneten Kunststofffinger verhindern, dass radioaktives Wasser durch Ritzen hindurch das Meer erreicht.
Wenn man sich vor Augen hält, was alleine in der Produktion von Autos, Maschinen und anderer hochwertiger Ware aus Japan für ein Aufwand getrieben wird, um den Fertigungsprozess zu optimieren, kann man angesichts dieser Bilder und Ideen, die einen aus Japan erreichen nur den Kopf schütteln. Das Erfinderland der Null-Fehler-Produktion leistet sich durch das Setzen völliger falscher Prioritäten den Luxus eines strahlenden Untergangs, der eigentlich völlig überflüssig wäre, da Japan auf riesigen Quellen natürlicher Energie sitzt, die ihrer Nutzung harren.
Angefangen bei der Windkraft über die Wasserkraft bis zur Geothermie stellt die Natur den Japanern mehr als genug Energie zu Verfügung, um auf Atomkraft zu verzichten. Die „unbezahlbaren“ grünen Alternativen, die in einer vom Atomkonzern Tepco zurückgehaltenen Machbarkeitsstudie der Tokioter Universität aufgezeigt wurden, stellen sich nun angesichts der drohenden Unbewohnbarkeit des japanischen Nordteils als absolutes Sonderangebot heraus, die nun mit allem Tempo zu realisieren sind, soll Japan nicht vollends kollabieren.
Kopflosigkeit auch in der EU
Zu allem Überfluss erdreistet sich die Europäische Kommission, still und heimlich die Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel um ein Mehrfaches zu erhöhen. Grundlage dafür ist die Eilverordnung 297/2011, die am 27. März 2011 in Kraft getreten ist. Mit dieser Verordnung wurden diese Grenzen für Produkte aus Japan deutlich heraufgesetzt: auf 400 Becquerel pro Kilogramm für Säuglingsnahrung, auf 1000 Becquerel pro Kilogramm für Milchprodukte und auf 1250 Becquerel pro Kilogramm für andere Nahrungsmittel. Produkte wie Fischöl oder Gewürze dürfen diese Werte gar um das Zehnfache übersteigen.
Sie werden also als „unbedenklich“ angesehen, wenn sie mit 12.500 Becquerel pro Kilogramm strahlen. Hintergrund für dieses Handeln ist die 1987, nach der Tschernobylkatastrophe, erlassene EU-Verordnung 3954/1987. Diese sieht vor, im Falle eines “nuklearen Notstandes die Höchstgrenzen für die zulässige radioaktive Belastung von Lebensmitteln anzuheben, um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen. Dies ist völliger Nonsens, da Lebensmittel aus Japan hierzulande überhaupt keine nennenswerte Rolle spielen und zudem von einem „nuklearen Notstand“ keine Rede sein kann. Richtig wäre es daher, den Verkauf von Lebensmitteln, egal woher diese kommen, zu verbieten, sollten diese die bisher geltenden Strahlungsgrenzwerte überschreiten. Kürzlich wurde die EU-Verordnung nach scharfen Protesten verschiedener Verbände daher wieder aufgehoben. Dennoch zeigt der Fall, dass diese sich völlig falsch entwickelnde EU nicht nur auf dem Gebiet der Finanzstabilität zu einer Gefahr für die hier lebenden Menschen wird.
Pappqualität versus Berufsqualifikation
Anhand dieser Vorkommnisse kann sehr schön beobachtet werden, was es bedeutet, mit „Zertifikaten“ oder „Ratings“ und nicht mit echter Leistung, ein Unternehmen, eine Dienstleistung oder ein Land zu bewerten. Wer immer noch der Meinung ist, dass Unternehmen mit qualifiziertem Stammpersonal welches Facharbeiterbrief, Meistertitel oder einen Dipl.-Ing.-Abschluss vorweisen kann, nicht anders zu bewerten sind wie Unternehmen, an deren Eingangshalle lediglich eine ominöse QM-Urkunde hängt, der hat die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt, denn dieser Irrweg hat zusammenbrechende U-Bahn-Schächte ebenso zu verantworten, wie strauchelnde Banken und Staaten oder berstende Atomkraftwerke.
Dieses System gaukelt vielfach Kompetenz nach Art einer Fata Morgana vor. Papier ist zudem bestens geeignet, nach Belieben beschriftet zu werden, um über Versäumnisse oder kriminelle Taten hinwegzutäuschen. Auch hier haben die japanischen Kraftwerksbetreiber seit Jahren vorgemacht, wie dies „erfolgreich“ vonstattengeht. Fehlende Kompetenz wird durch Papier ersetzt, auf dem etwa nicht durchgeführte Wartungsarbeiten als erledigt markiert wurden. Ein Irrsinn, der auch in Europa Fuß fassen konnte, weil es damit, wie mit dem CO2-Ablasshandel, Geld zu verdienen gibt.
Vor diesem Hintergrund sollte auch die Diskussion über den Zuzug von „Facharbeitern“ gesehen werden. Es sollte grundsätzlich verlangt werden, dass derjenige, der hier arbeiten und leben möchte, seine Qualifikation vor einem Fachgremium, wie etwa der IHK, erneut unter Beweis stellt, ehe er eine Aufenthaltserlaubnis erhält. Schließlich kommt jeder der etwas kann, problemlos über diese Hürde. Allen anderen würde selbst ein dicker Geldbeutel für ein entsprechendes Papier, das dessen Besitzer als „Fachkraft“ ausweist, nichts nützen.
Rettungsaktionen versus Evolution
Völlig egal, ob es produzierende Unternehmen, Banken oder Länder betrifft, wer sich mit seinem Handeln oder seinen globalen Geschäften „ein wenig vertan“ hat, darf keinen Anspruch auf wiederholte, übertriebene Rettungsaktionen haben, da diese ein Hindernis zur Installation eines Regulators bilden, der künftige Schieflagen verhindern könnte. Das ganze Geld für nutzlose Rettungsaktionen und Zertifizierungsorgien wäre besser etwa in Projekten wie Desertec angelegt.
Denn mit diesem Projekt hätten schlagartig all die jungen Bewohner einer trostlosen Wüstengegend eine Lebensperspektive, die heute alleine im „reichen“ Europa ihre Zukunft sehen und zu Abertausenden an Europas Türen klopfen. Zudem wäre es in wenigen Jahren möglich, mit einem weltweiten Geflecht vieler Desertecs den Energiehunger der Welt umweltverträglich zu decken, was Arbeitsplätze und Wohlstand ohne Ende für zahlreiche Nationen bedeuten würde.